Trogir wie von einem anderen Stern
Mariendorfs Charity-Traber deklassiert seine Gegner Start-Ziel. Sein Fahrer Michael Nimczyk gewinnt noch drei weitere Rennen. Franziska Höltje und Dennis Spangenberg suchen ebenfalls den Winner Circle auf.
Vom vermeintlichen Wonnemonat Mai war auf der Derby-Bahn recht wenig zu spüren. Denn die Matinée-Veranstaltung, die fünf mit jeweils 6.000 Euro dotierte PMU-Rennen sowie eine mit der TippelTom-Talentförderung verbundene Prüfung umfasste, fand bei recht kühlem und nassem Wetter statt. Dennoch zeigten die Pferde und Fahrer mehrfach herausragende Leistungen. Dies galt natürlich insbesondere für den Sieger des als „Frei für Alle“ ausgeschriebenen Rennens der gewinnreichen Traber. Nämlich Trogir, der in der Hand von Michael Nimczyk sein geradezu unglaubliches Potential einmal mehr unter Beweis stellte. Der sechsjährige Wallach siegte in der Prüfung, die dem Geburtstagskind Hans-Joachim Matthäus gewidmet war, in 15,6/2.500m Start-Ziel und natürlich ließ es sich der ehemalige Mariendorfer Trainer gemeinsam mit seiner Gattin nicht nehmen, dem Goldhelm im Winner-Circle persönlich zu gratulieren und ihm ein Präsent zu überreichen.
Dass sich Trogir für den vollen Erfolg durchsetzte, war sicherlich keine große Überraschung, denn der Crack des Berliner Stalls TippelTom hatte sein exquisites Können in der Vergangenheit schon oft genug unter Beweis gestellt. Aber dennoch war die Art und Weise seines Auftretens einfach atemberaubend. Denn obwohl sich unter seinen Konkurrenten diverse vorzügliche Pferde befanden, ließ Trogir ihnen bei seinem Saisondebüt nicht den Hauch einer Chance und war eine ganze Klasse besser als sie. Weder der unterwegs konsequent innen geschonte und mit dem zweiten Geld belohnte Intinori (Victor Gentz) noch der vor den Tribünen in zweiter Spur gebrachte und letztlich drittplatzierte Purple Rain (Robbin Bot) konnten dem mit viereinhalb Längen Vorsprung triumphierenden Sieger irgendetwas entgegensetzen. Keine Frage: Trogir wird in den kommenden Monaten noch für viele Schlagzeilen sorgen und noch besser werden, als er es ohnehin schon ist.
Ein recht überschaubares Feld bot sich den Zuschauern im ersten Rennen, denn nur fünf Pferde nahmen an dem Wettkampf teil. Dennoch entwickelte sich ein spannendes Finish. Loaded Amin (Victor Gentz) hatte in einer 10,8-Zwischenzeit vom Fleck weg die Führung übernommen und forcierte das Tempo nach einem ruhigeren Teilstück Ende gegenüber noch einmal auf 11,9. Trotzdem kam in dieser Phase der anfangs viertplatzierte Eagle Spav (Michael Nimczyk) immer weiter voran und in einem einsamen Duell – die restlichen Teilnehmer folgten mit Weile-Rückstand – zog der Wallach aus dem Besitz von Elmar Eßer in 15,4/1.900m mit anderthalb Längen Vorsprung an Loaded Amin vorbei. Dies war nicht nur eine neue persönliche Rekordsteigerung, sondern stellte sogar die Tagesbestzeit dar.
Der Goldhelm steuerte im direkten Anschluss auch den Lasbeker Hengst Vilnius auf die Ehrenrunde, hatte dabei aber das Glück auf seiner Seite. Denn während Vilnius im Schlussbogen nur an dritter Stelle innen lag und für ihn kaum eine Möglichkeit zur freien Entfaltung gegeben war, schien die Entscheidung um den Sieg nur zwischen dem stets führenden Jackstone (Dennis Spangenberg) und der außen tapfer durchziehenden Otylia Beuckenswijk (Thomas Buley) zu liegen. Doch beim Einbiegen auf die Zielgerade verlor Jackstone im Eifer des Gefechts sein Geläuf und wich dabei um eine Spur nach außen. Während für die dadurch irritierte Otylia Beuckenswijk nur der zweite Rang blieb, nutzte Michael Nimczyk blitzschnell die entstandene Lücke und führte Vilnius in 16,6/1.900m zum Erfolg.
Die Nimczyk-Festspiele gingen auch in der Gewinnsummenklasse bis 500 Euro weiter, denn dort trumpfe der Goldhelm mit der ebenfalls in den braunen Lasbeker Farben laufenden Stute Wolga auf. Der Deutsche Meister hängte sich sofort an den Tempomacher Wingman (Thorsten Tietz) ran und fertigte den Kontrahenten auf der Schlusshalben in 17,5/1.900m mit neun Längen Vorsprung ab. Angesichts seiner makellosen Bilanz – vier Starts, vier Siege – war Michael Nimczyk fast schon zwangsläufig auch bei seiner Fahrt mit der Ready Cash-Tochter Trouble favorisiert. Doch mit der Braunen sprang nach einem von mehreren Führungswechseln geprägten Verlauf nur der dritte Rang heraus. Und das lag maßgeblich an dem von Dennis Spangenberg präsentierten Alex A’lir, der sich auf der Gegenseite fast unbemerkt an die Spitzengruppe herangeschlichen hatte und im Einlauf in 15,1/8.900m mit anderthalb Längen vor Rainbow Bo (Thorsten Tietz) sowie Trouble das mit Abstand schnellste Pferd war.
Mächtig turbulent ging es in der mit der TippelTom-Talentförderung verbundenen Abschlussprüfung zu. Desert Rain hatte sich mit der stets forsch agierenden Laura Skoruppa nach einem kräftigen Schlagabtausch mit dem ebenfalls offensiv in die Schlacht geworfenen Shotgun ES (Ole Krohmer) an die Spitze gesetzt und führte das Feld bis in den Einlauf hinein an. Dort wurde der als zweitlängster Außenseiter gehandelte Verfolger aber immer stärker und zog an Desert Rain vorbei. Zeitgleich wurde die von Franziska Höltje flott gemachte Allypally immer schneller. Die Stute flog mit riesigen Schritten heran und setzte Shotgun ES, der den Volltreffer eigentlich schon vor Augen hatte, unter Druck. Der Wallach geriet daraufhin von den Beinen und wurde disqualifiziert. Anstelle des Pechvogels zog also Allypally in den Winner Circle ein. Der Sieg in 15,6/1.900m war für Franziska Höltje und ihren vierbeinigen Liebling bereits der dritte innerhalb weniger Wochen.
Gesamtumsatz: 45.164,24 Euro. Bahnumsatz: 8.958,50 Euro. Außenumsatz: 36.205,74 Euro.